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Architektur

Manchmal im Sommer, wenn man scharfe Lichtkontraste wahrnimmt, oder im Winter, wenn Berge und Hänge schwarz-weiß mit Schnee bedeckt sind, denkt man vielleicht, dass die Natur selbst die größten Bauwerke der Färöer geschaffen hat.

In dieser Größenordnung existieren die Häuser und Gebäude kaum, und man muss sein geistiges Fernglas anpassen, um in den überwältigenden Strukturen der Landschaft irgendein Zeichen von menschlichen Konstruktionen zu sehen.
Durch Ausgrabungen wissen wir von den Langhäusern der Wikinger-Siedler. Ihre Häuser verfügten über eine Reihe von Nebengebäuden für verschiedene Zwecke, in Bezug auf eine Gesellschaft von Bauern und Anglern. Es handelte sich um niedrige Häuser aus Stein und Rasen mit schweren Grasdächern, die von einer Konstruktion aus Treibholz getragen und in den Boden gesteckt wurden. Die Gebäude gewahrten ihren Bewohnern Schutz vor einem Klima mit starken Wind- und Regenschwankungen. So waren die Häuser Teil der Landschaft, einfache Hügel, kaum von den umliegenden Feldern zu unterscheiden, außer dem Rauch, der aus dem zentralen Bauernhaus aufstieg.

KLASSISCHE HÄUSER

Diese Wohnstruktur entwickelte sich langsam von isolierten Bauernhäusern zu Dörfern, und später – als die Fischerei zur Hauptindustrie wurde – wurden neue Dörfer gegründet, die unabhängig von den Bauern und Landbesitzern waren. Etwa am Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein neuer Haustyp: das klassische Fischerhaus, holzbedeckt und braun oder schwarz geteert mit weiß gestrichenen Fenstern und Brettern. Das Haus besitzt immer noch ein schweres Grasdach, aber ist auf einem neuen Bauelement errichtet; einem Kellergeschoss aus den örtlichen Feldsteinen, die oft weiß gebleicht werden. Diese Häuser haben sich vom Boden erhoben, und stehen nun als eigenständige Gebäude da, obwohl gemeinsame Dimensionen, Materialien und Farben sie zusammenhalten.

Mit zunehmendem Reichtum wurden diese Häuser allmählich durch größere Häuser mit hohen Dachgeschossen und geschnitzten Details ersetzt – immer noch Holzhäuser, jetzt aber mit Wellblech zum Schutz der Holzverkleidung. Diese Folie musste alle paar Jahre gestrichen werden, und plötzlich sprangen Häuser aus der Landschaft die zu individuellen Ausdrucksformen der farblichen Vorlieben des Besitzers wurden. Diese Individualität wird oft als kultureller Verlust dargestellt, und die charakteristische Einheit vergangener Zeiten scheint sich aufgelöst zu haben. Andererseits spiegeln diese Häuser eine Herzlichkeit und Fröhlichkeit wider, die im Laufe der Zeit zu seiner eigenen Form geworden ist, besonders wenn die Sonne nach einer langen Zeit der Dunkelheit und des Regens endlich ausbricht.

ELEGANTE HOLZKIRCHEN

Architektur als ein eigene Kunstform mag auf den Färöern selten sein; dennoch gibt es wunderschöne und beeindruckende Gebäude zu sehen, und die schönsten davon sind zweifellos die verbliebenen Holzkirchen, die in kürzester Zeit von etwa 1830 bis 1850 gebaut wurden. Trotz ihrer bescheidenen Größe dominieren diese Kirchen die Dörfer mit ihrem weiß getünchten Steinfundament, den schwarzen Teerwänden, ihren weißen Fenstern und, besonders mit ihrem weißen Glockenturm auf dem grünen Rasendach.

Das Innenleben der Kirchen ist ein wahrer Reichtum an detaillierten Holzarbeiten aus unbemalter, geschliffener Kiefer. Das Design ist schlicht, aber elegant in seiner Einfachheit. Die tragenden Hölzer und Balken sind freigelegt, und jedes Detail offenbart ein eigenes Muster oder trägt eine besondere Schnitzerei, am deutlichsten in der Chorwand, die in ein Gitter aus verschiedenen Figuren eingearbeitet ist: Kreuz, Herz, Glocken, Meereswellen und Lebensbaum. Sogar Geigen sind eingeschnitzt; ein in den Färöern der damaligen Zeit sehr seltenes, aber dennoch so fein geschnitztes Instrument, dass man fast die himmlische Musik vom Chor bis hin zu den Sündern auf den harten Bänken der Kirche hören kann.

Die Dorfkirchen wurden von lokalen Handwerkern in der alten Tradition von Steinhäusern mit einem inneren Holzhaus gebaut, wie eine Schnecke, die in ihrer felsigen Hülle geschützt ist. In diesem baumlosen Land namens Färöer-Inseln war Holz sehr kostbar und selten, aber nach und nach bewegte sich die Schnecke aus ihrer Schale. Alles änderte sich, aber niemand fragte nach den Architekten. Sie gehören zu einer späteren Epoche, den ersten färöischen Architekten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in Dänemark ausgebildet wurden. Die bekanntesten sind H.C.W. Tórgarð, der Gebäude wie die Katholische Schule und Kirche und dem Theatergebäude in Tórshavn erbaut hatte und später J.P. Gregoriussen dem Architekten der Post in Klaksvík und dem Kunstmuseum in Tórshavn.

ARCHITEKTUR IN DER NEUZEIT

Die letzten fünfzig Jahre waren geprägt von der schnell wachsenden Hauptstadt. In der Region Tórshavn leben heute etwa 20.000 Einwohner oder 40% der färöischen Bevölkerung. Dieses starke Wachstum erforderte eine aktive Stadtplanung, die zu Projekten führte, die man vielleicht als einzigartig bezeichnen kann – nicht nur auf den Färöern. Eines davon ist die lange Reihenhaussiedlung auf dem Hügel Inni á Gøtu, am Eingang zu Tórshavn im Norden. Wie konnten die starken Wünsche nach individuellem Ausdruck in einem Konzept berücksichtigt werden, das auf Dichte, Schutz und guter Nachbarschaftsbildung basiert? Die Antwort war, jedem zu erlauben, sein eigener Architekt zu sein.

Auf diese Weise wurde diese vielfarbige Schlange von Häusern zu einem architektonischen Wahrzeichen und einer Touristenattraktion für viele ausländische Besucher der Färöer-Inseln.

 

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